Vielleicht denkst du, dass der Anbau von Pilzen zu Hause und im Garten sehr kompliziert bis unmöglich sein muss. Das Gegenteil ist der Fall. Pilze sind im Anbau viel weniger anspruchsvoll als zum Beispiel Tomaten und Paprika, die du doch im Garten anbaust. Der Schlüssel zum Erfolg ist die richtige Vorgehensweise und optimale Temperatur für das Wachstum. Steinpilze werden es zwar nicht sein, aber mit einer reichen Ernte können dich zum Beispiel Champignons, verschiedene Arten von Austernpilzen, Schuppenpilze, Shiitake oder Judasohr (Mu-Err) erfreuen.

Exotik unter unseren Bedingungen

In Asien ist der Anbau und Verzehr verschiedener Pilzarten viel weiter verbreitet als bei uns. Das kann sich jedoch schnell ändern. Pilze sind ausgesprochen dankbare Kulturen für den Anbau. Sie wachsen das ganze Jahr über und einige von ihnen können sogar in der Wohnung angebaut werden. Pilze gehören gleichzeitig zu den hochwertigen Lebensmitteln, die reich an verschiedenen Elementen und Nährstoffen sind, viele von ihnen haben heilende Wirkungen. Unser Angebot an Pilzbrut kannst du dir hier ansehen.

Paket mit fertigem Substrat für Anfänger

Am allereinfachsten züchtest du Pilze, wenn du dir ein fertiges rechteckiges Paket mit Substrat in Plastikverpackung kaufst, das bereits mit einem bestimmten Pilz besetzt ist. Am häufigsten sind in dieser Verpackung Champignons und Austernpilze erhältlich.

Nach der beiliegenden Anleitung kann auch ein absoluter Anfänger Pilze züchten. Jeder Pilz erfordert ein etwas anderes Vorgehen und unterschiedliche Temperaturbedingungen. Das Paket lässt man zunächst mit Myzel durchwachsen (Champignons ca. 3 Wochen bei einer Temperatur von 20 - 24 °C, Austernpilze 1 - 2 Monate bei 18 - 25 °C). Anschließend wird bei Champignons die Abdeckfolie an der Oberseite des Pakets abgeschnitten, wobei die Ränder in einer Breite von einigen cm belassen werden müssen, und die Oberfläche wird mit dem beiliegenden Torfsubstrat bedeckt, das wiederum vom Myzel durchwachsen wird. Das Substrat muss stets feucht sein. Wenn die obere Schicht teilweise durchwachsen ist, wird sie vermischt und nach einigen Tagen muss das Paket in einen Raum mit niedrigerer Temperatur (14 - 18 °C) verlegt werden, und dann kann man sich schon auf die Ernte freuen. Bei Austernpilzen besteht der Unterschied darin, dass die Fruchtkörper an den Seiten des Pakets aus Öffnungen in der Plastikverpackung herauswachsen und für ihre Bildung eine niedrigere Temperatur optimal ist (ca. 10 - 15 °C). Im Gegensatz zu Champignons, die im Dunkeln wachsen können, benötigen Austernpilze tagsüber wenigstens etwas Licht.

Austernpilz-Zucht im Strohbeutel

Diese weitere Möglichkeit der heimischen Pilzzucht erfordert bereits etwas mehr Vorbereitung. Du kannst mit dem Austernpilz beginnen. Du benötigst einen festen Plastikbeutel, gehäckseltes Stroh, Pilzbrut und heißes Wasser. Keine Sorge, lies weiter, du wirst sehen, dass es gar nicht so kompliziert ist. Und falls es doch nicht klappen sollte, kannst du zur oben beschriebenen Variante zurückkehren.

Das gehäckselte Stroh muss zunächst gedämpft werden, was in einem größeren Gefäß oder direkt in einem dickeren Plastikbeutel möglich ist. Das Stroh muss mit Wasser von mindestens 80 °C übergossen und bis zum nächsten Tag einweichen gelassen werden. Das abgekühlte Stroh lässt du abtropfen (bei Beuteln schneidest du die unteren Ecken ab und lässt das Wasser ablaufen), vermischst es mit der Pilzbrut in der Menge laut Anleitung, bindest den Beutel oben zu und stellst ihn in einen Raum mit einer Temperatur von ca. 20 °C. Der Beutel wird in den folgenden Wochen nach und nach vom Myzel durchwachsen. In den durchwachsenen Beutel schneidest du kreuzförmig mehrere Öffnungen und stellst den Beutel, wenn möglich, in einen kühleren Raum. Der Beutel wird nicht gegossen. Die Fruchtkörper lassen nicht lange auf sich warten.

Pilze im Garten: Zucht auf Holz

Die letzte Variante stellt die Zucht auf Holz dar, was eigentlich die natürliche Wuchsform holzzerstörender Pilze ist, zu denen zum Beispiel der Austernpilz, der Samtfußrübling oder das Judasohr gehören. Du benötigst Äste und Stämme von frisch gefällten Laubbäumen, Pilzbrut und Wachs. Bohre mit einer Bohrmaschine Löcher in das Holz (empfohlener Durchmesser, Tiefe und Abstand unterscheiden sich je nach Pilzart), fülle die Löcher mit Pilzbrut und versiegle sie mit Wachs. Wenn du im Garten einen frischen Baumstumpf hast, kannst du auch versuchen, diesen mit Pilzbrut zu beimpfen. Wenn es gelingt, wirst du Pilze direkt aus deinem Garten ernten.